Wachstumsschub bei Zwillingen – Fluch oder Segen?

Jeder, der schon einmal Kinder aufgezogen hat, der wird das Wort Wachstumsschub schon einmal gehört haben. Sogenannte Wachstumsschübe treten häufig im Baby- oder Kleinkindalter auf und können Eltern regelrecht zur Verzweiflung bringen und Paare, die Zwillinge bekommen haben erst recht! Wir befinden uns momentan mal wieder in solch einer Phase und was soll ich sagen,… die Nerven liegen blank!

Eigentlich ist meine Frau die Leittragende, da Sie die unsere Mädels quasi den ganzen Tag um die Ohren hat. Gestern sagte Sie mir, dass das für Sie wohl die anstrengendste Zeit nach ihrer Schwangerschaft mit den Zwillingen ist. Und gerade die letzte Phase Ihrer Tragezeit war augenscheinlich mächtig anstrengend! Ich meine, was kann anstrengender sein als jeden Tag ca. 20 kg mehr mit sich herumzuschleppen um nachts, wo man eigentlich die Kräfte für den nächsten Tag sammeln sollte, mit Schlafstörungen gestraft zu werden.

Was sind nun Wachstumsschübe? Menschen entwickeln sich und gewinnen jeden Tag an Erfahrungen dazu. Bei Erwachsenen fallen die täglich neuen Erkenntnisse nicht mehr so ins Gewicht aber gerade in den ersten Lebensjahren rollen diese neuen Erfahrungen jeden Tag wie Lawinen auf die Kinder zu, und sie haben Schwierigkeiten diese zu verarbeiten. Die Kinder lernen neue Geschmäcker, Gerüche und Geräusche kennen oder erfahren für sie gänzlich neue Bewegungen.  Dieses Verarbeitungsdefizit äußert sich dann in verändertem Verhalten wie zum Beispiel häufiges Schreien, Quengeln oder vermehrte Wutausbrüche. Oft essen oder schlafen die Kinder auch schlechter und haben eine starkes Schmuse- oder Kuschelbedürfnis. Wenn dann diese Wachstumsschübe ab einem gewissen Alter auch noch mit Trotzanfällen, neuen Zähnen oder einer Erkältung einher gehen, dann bekommt man es knüppeldick! Und wenn man dann vom lieben Gott auch noch Zwillinge bekommen hat, dann gibt es Phasen in denen man(n) oder Frau auch schon mal dem Storch zwei Beutel zurück geben möchte.

In unsere Familie kommt momentan alles Zusammen. Lieschen und Flöhchen bekommen ihre letzten Zähne. Beide stehen mit ihren zweieinhalb Jahren auf dem Zenit ihrer Trotzphase und es wird kein Satz mehr gesprochen, wo nicht mindestens einmal die Wörter „meins“ oder „alleine“ drin vorkommen. Bei Missachtung oder Nichteinhaltung ihrer Bedürfnisse werden wir zu 90 Prozent mit einem sofortigen Wutanfall bestraft.  Lieselotte hat jetzt auch noch einen Schnupfen bekommen, was heißt, das Florentine demnächst ebenfalls mit Rotznase durch die Gegend laufen wird. Unsere beiden Mädels sind eigentlich sehr gute Schläfer aber zurzeit wacht eine von beiden nachts ab und zu auf und verlangt nach Wasser oder einer Kuscheleinheit. Teilweise erklärt Lieselotte auch schon mal die Nacht gegen 4:00 Uhr als beendet, was Wühlorgien in Mamas und Papas Bett zur Folge hat. Da in unserer Pension die Hauptsaison im vollen Gange ist, bin ich nicht mehr so oft Zuhause, wie noch vor einiger Zeit und kann meiner Frau so also nicht wirklich entlastend zur Hand gehen.

Was kann man nun gegen Wachstumsschübe tun? Gar nichts!! Wachstumsschübe sind gut und wichtig für die Entwicklung jedes Kindes! Die Frage sollte vielmehr heißen: Wie übersteht man solche Wachstumsphasen am besten? Ich kann hier nur darüber berichten, wie wir versuchen uns zu helfen und bin natürlich für jeden Rat dankbar.

In der ersten ein bis zwei Lebensjahren der Kinder kann ich euch das Buch „Oje ich wachse“ empfehlen. In der Zeit, in der Kinder sich noch schlecht artikulieren also ihre Befindlichkeiten nicht oder nicht richtig äußern können, hilft dieses Buch sehr gut weiter und man kann einieg Verhaltensweisen seiner Kinder viele besser deuten. In den nächsten Tagen werde ich dieses Buch unter unserer Rubrik „Büchercheck“ noch etwas genauer vorstellen.  Um der erhöhten Geräuschkulisse zu entfliehen, gehen wir mit unseren Kindern oft nach draußen auf unseren Spielplatz. Das hat den weiteren Vorteil, dass sich das Wirkungsfeld unserer Zwillinge vergrößert und  es somit weniger Konfliktsituationen gibt. Wenn die Möglichkeit besteht eines der Kinder der Oma oder dem Opa „aufzudrücken“, dann sollte man diese auch nutzen. Wir haben festgestellt, dass sobald wir unsere Mäuse trennen und jedes unserer Zwillingsmädchen seine ungeteilte Aufmerksamkeit genießt, sind sie wie ausgewechselt. Ablenkung ist unserer Meinung nach das beste Mittel, um die Stimmung erträglich zu halten. Hierbei besteht aber die Kunst darin, jedem Kind gleichviel Zuneigung und Aufmerksamkeit zu schenken, ohne zu stark in Ihre Handlungen (ich erinnere an das Wort „alleine“) einzugreifen.

Wachstumsschübe kann man nicht verhindern, man kann nur da durch! Wachstumsschübe sind anstrengend und bei Familien die Zwillinge bekommen haben doppelt so stressig. Nicht selten wird in solchen Phasen die Festigkeit einer Beziehung auf die Probe gestellt. Um diese Schübe einigermaßen glimpflich zu überstehen, sollte man versuchen (so schwer und so verrückt es auch klingen mag) seinen Kindern noch mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen! Verabschiedet euch von der strikten Durchsetzung euer Erziehungsregeln und geht viele Kompromisse ein. Seid tapfer und stark und dankt daran – Es ist nur ein Schub und geht vorbei! Eure Kinder werden gestärkt aus dieser Phase hervortreten und nicht selten werdet ihr auch einen mentalen oder körperlichen Fortschritt bei euren Kindern erkennen.

Ich widme diesen Artikel meiner momentan sehr tapferen Frau und bewundere Ihre Stärke!

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