Zwillingsschwangerschaft
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    Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 3)

    Von Christian Reuter | 13.März 2012

    Ein Monat nach der Geburt: Johannes trinkt ausschließlich an der Brust

    Wie schon berichtet, trank Johannes schon im Krankenhaus manchmal an der Brust. Dort empfand ich es als sehr lästig, dass er vor und nach jedem Stillen gewogen wurde. Die Schwestern wollten sichergehen, dass er insgesamt genug Milch bekam, deshalb wurde ihm dann nach dem Stillen die noch fehlende Trinkmenge mit dem Fläschchen gegeben. Mit dem Verstand sah ich das ein, aber ich fühlte mich trotzdem als Versager, wenn die Waage null anzeigte. Einerseits beruhigte mich das Stillen im Krankenhaus sehr, denn ich war mir nicht sicher, ob die Kinder mit meinen relativ flachen Brustwarzen zurechtkommen würden. Andererseits ist Stillen im Getriebe einer Intensivstation alles andere als angenehm.

    In den letzten Tagen im Krankenhaus und dann zu Hause bekam Johannes zu trinken, wann er wollte und wieviel er wollte. In den ersten eineinhalb Wochen zu Hause legte ich ihn nur ein bis vier Mal pro Tag an und gab ihm danach noch sein Fläschchen, zu den anderen Mahlzeiten bekam er nur das Fläschchen mit Muttermilch. Da er deutlich weniger aus dem Fläschchen trank, wenn er zuvor gestillt worden war, wusste ich, dass er aus der Brust etwas herausbekommen hatte. Ich hätte ihn sicher häufiger anlegen können, aber ich wollte ja auch recht oft zu Pascal ins Krankenhaus gehen, und in der Zeit wurde Johannes zu Hause von der Oma gefüttert.

    Diese eineinhalb Wochen, in denen ein Kind im Krankenhaus und eins zu Hause war, waren ein unglaublicher Spagat. Für Johannes, der oft Bauchweh hatte und schrie, war es ganz wichtig, dass ich beim Stillen so viel Ruhe wie möglich ausstrahlte und die Hektik von ihm fernhielt. Zwar waren mir alle Helfer und Besucher willkommen, aber wer Unruhe ins Haus brachte, wurde mit höflichen Worten wieder hinauskomplimentiert. Wir hatten das Gefühl, immer am Abgrund des Chaos zu leben.

    In Stillbüchern liest man oft, dass Flaschen und Brusternährung abwechselnd nicht möglich sei. Johannes wechselte jedoch problemlos zwischen Brust und Flasche hin und her, aber bei Pascal sollte sich noch zeigen, dass es auch Babies gibt, bei denen das wirklich nicht geht.
    Von meiner Hebamme bekam ich Stillprotokolle, die mir eine große Hilfe waren. Stillprotokolle sind Tabellen, in denen Datum und Uhrzeit jeder Mahlzeit festgehalten werden, dazu die Dauer des Trinkens und evtl. die zugefütterte Menge an Muttermilch, Tee oder Ersatzmilch. Außerdem wird notiert, ob Urin bzw. Stuhl in der Windel war – bei Zwillingen verliert man sehr schnell den Überblick darüber – und welche Medikamente das Kind bekommen hat.

    Wenn Papa und Omas oder Babysitter beim Füttern und Wickeln helfen, ist eine schriftliche Fixierung davon unerlässlich! Besonders bei Pascal, der täglich eine DFluorette, zweimal Eisentropfen, viermal Calciumtropfen, öfter mal Sab simplex und in jedem Fläschchen den Nahrungszusatz FM schlucken musste, wären wir ohne Tabelle hilflos gewesen.

    Johannes konnte mit der Zeit immer kräftiger und länger an der Brust saugen. Anfangs waren es nur 10 – 15 Minuten, dann ging es in Richtung 30 Minuten, und ich gab ihm nach dem Stillen dann kein Fläschchen mehr. Da er zufrieden war und einschlief, war ich mir sicher, dass er genug getrunken hatte. Als Pascal nach vier Wochen zu Hause war, trank Johannes ausschließlich an der Brust. Er trank ruhig und lange, manchmal bis zu einer Stunde.

    Stillen und Pumpen in Einklang zu bringen war kein Problem, ich pumpte immer direkt nach
    dem Stillen. Eine Zeitlang ließ ich Johannes an beiden Seiten trinken und pumpte danach beide Seiten ab. Dies war sicher gut, um die Milchbildung noch stärker anzuregen, denn ein Baby saugt viel besser als eine Pumpe. Bald gab ich aber Johannes nach dem Bäuerchen dieselbe Seite nochmal und pumpte die andere für Pascal ab, denn ich wollte auch Pascal eine ausgewogene Mischung aus Vorder- und Hintermilch zukommen lassen. Die Seiten wechselte ich bei jeder Mahlzeit.


    Einmal hatte ich in einer Brust einen Milchstau, dazu kam 38,5 °C Fieber. Hier war es ganz
    wichtig, dass Johannes schon so kräftig saugen konnte. Im Wesentlichen hat er den Milchstau beseitig, Bettruhe, Massage und Kühlung haben aber auch ihren Teil beigetragen.

     

    Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 1)

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    Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 3)

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