Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 5)

Stillt man die Kinder gleichzeitig oder nacheinander?
Das ist die Frage. Wer zwei so gemütlich trinkende Kinder hat wie ich, muss sie gleichzeitig stillen, denn sonst kommt man weder zu genug Schlaf noch zu sonst irgendetwas. Da die Zwillinge sich nicht gegenseitig weckten, bestimmte derjenige, der zuerst hungrig wurde, wann die nächste Mahlzeit war. Den anderen weckte ich einfach. Auf diese Weise glich sich ihr Rhythmus sowieso an.

Wir versuchten bald, nach einem Rat unseres Kinderarztes, auf einen VierStundenRhythmus zu kommen. Zuerst dachte ich, die Kinder müssten immer sofort angelegt werden, wenn sie sich melden. Da ja in allen Stillbüchern steht, dass die Kinder selbst bestimmen sollen, wann sie trinken, habe ich sie am Anfang beim ersten Quäken sofort angelegt. Nach und nach fand ich heraus, dass sie oft nur wach wurden und ihr Interesse an der Umwelt bekundeten oder nur nuckeln wollten und mit einem Schnuller im Mund sofort wieder einschliefen. Ich denke, dass dieser Rhythmus mit ein Grund war, dass ich so lange stillen konnte.

Ein gutes Stillkissen braucht man, damit man immer beide Hände frei hat, dazu noch einen Berg Sofakissen, die man um sich herum stopfen kann. Zwei ganz kleine Zierkissen taten auch gute Dienste, die steckte ich den Buben hinter den Rücken, damit sie noch etwas stabiler lagen. Mein Stillplatz auf dem Sofa war mit der Zeit so ausgestattet, dass alles, was ich brauchte, bereitlag: Alle Kissen an ihrem Platz, eine Mullwindel als Spucktuch, ein gutes Buch in Reichweite, Mineralwasser ebenfalls.

Ich hatte durch einen Zufall zwei Stillkissen, was äußerst praktisch war: Wenn ich stillen wollte, legte ich zuerst einen Zwilling in das hufeisenförmig zusammengelegte Stillkissen neben meinen Stillplatz aufs Sofa, holte den zweiten und legte ihn an, und dann nahm ich den ersten dazu. Mit einer zusammengerollten Decke geht das aber auch.

Die Kinder lagen beide mit dem Kopf zur Mitte, die Beine unter meinen Armen hindurch nach außen. Als sie wuchsen, mussten sie die Beine ein wenig an der Sofalehne hinauf strecken, aber sie gewöhnten sich daran. Zum Bäuerchen habe ich sie immer nacheinander hochgenommen, auch deshalb brauchte ich zwei freie Hände. Danach habe ich sie immer nochmal angelegt. Anfangs hatte jeder seine Seite, bis mir meine Hebamme sagte, dass man das nicht machen dürfe, da die Brüste unterschiedlich viel Milch produzieren. Ab dann wechselte ich täglich die Seiten. Später sagte mir eine Stillberaterin, dass es schon in Ordnung sei, wenn jedes Kind seine Seite hätte, weil die Brüste nach Bedarf Milch bilden. Was davon nun stimmt, weiß ich nicht.

Es war vor allem am Anfang wichtig, die Kinder beim Stillen wach zu halten. Einerseits hätten sie nicht genug getrunken und wären dann viel früher wieder gekommen, andererseits haben wir uns damit einige Schlafprobleme erspart. Wenn man Babies schlafend ins Bett legt, merken sie spätestens nach der ersten Tiefschlafphase, dass sie nicht mehr bei Mama sind, wo sie eingeschlafen sind. Also wird gebrüllt. Dies ist in den ersten Monaten nicht so ausgeprägt, aber spätestens nach einem halben Jahr hat man dann ein Problem. Wie hält man sie nun wach?

Die sanftesten Methoden sind Streicheln an der Wange oder leichter Druck im Takt des Saugens von unten in die weiche Stelle unter dem Kinn, das regt beides zum Saugen an. Dann Reden und Singen natürlich (keine Schlaflieder!). Man kann die Babies auch vorsichtig in die Rippen stupsen oder an den Füßen kitzeln. Wichtig ist, dass man sie nicht zu warm einpackt. Da es Sommer war und sowieso ziemlich heiß, haben wir sie zum Stillen oft bis auf’s Body ausgezogen. Gefroren haben sie so nah an Mama dabei sicher nicht.

Gewickelt habe ich die Kinder immer nach dem Stillen, denn zwischendrin wäre zu umständlich gewesen. Damit war auch nochmal sichergestellt, dass sie wach ins Bett kamen. Sie schliefen dann immer sofort ein.

Zum Bäuerchen ist noch ein wenig zu sagen: Es ist wichtig, und manchmal mühsam für die Eltern! Vor allem Pascal lebte anfangs nach dem Motto: Was ich hab‘ das hab‘ ich, und wenn‘ s nur Luft ist. Die Methode, Kind auf die Schulter legen und klopfen, ist sicher allseits bekannt. Man kann ihm auch einfach nur den Rücken aufwärts streicheln. Eine gute Methode ist, sich das Kind mit einer Hand vor die Brust zu halten (Blick in die gleiche Richtung), dann die Beine in die Waagrechte bringen und dann Beine und Becken waagrecht vorsichtig hin und her drehen (Drehachse ist die Körperachse). Bei Pascal half oft alles nichts, er schlief bei all unseren Versuchen ein, bekam aber, sobald er lag, ein Problem. Nachts, nach ewigem Warten, versuchten wir oft völlig entnervt, ihn mit einem kalten Waschlappen im Gesicht wach zu kriegen. Er riss die Augen auf, dann den Mund und rülpste wie ein Großer. Anschließend schlief er prima. Das war zwar keine sanfte Methode, aber für uns und für ihn wesentlich besser als stundenlanges Geschrei.

Unsere Bettenkonstruktion im Schlafzimmer möchte ich noch beschreiben und weiterempfehlen: Wir nahmen ein Kinderbett und bauten es so zusammen, dass die Liegefläche etwa gleich hoch war wie unser Ehebett. Beim Kinderbett waren außer den Gitterseiten auch zwei Seitenbretter dabei, damit man es für etwas größere Kinder auch noch nehmen kann. Wir bauten auf einer Seite ein Gitter ein und auf der anderen ein Brett. Diese Seite befestigten wir mit zwei Schraubzwingen von unten am Ehebett. So konnte ich nachts, ohne aufstehen zu müssen, die Kinder beruhigen: ich musste nur neben mich greifen und konnte sie streicheln oder den verlorenen Schnuller suchen. Das war ein großer Vorteil, denn so war ich bei anfangendem Gejammer sofort zur Stelle, wachte dabei jedoch selbst kaum auf.

Anfangs lagen beide Zwillinge nebeneinander; als sie anfingen, sich mit den Händen gegenseitig im Gesicht herumzufuchteln, legten wir sie schräg ins Bett, einen ans Kopfende und einen ans Fußende. Die Köpfe waren dabei immer auf der Seite des Gitters, damit keine Gefahr bestand, unter meine Decke zu geraten. Als Johannes anfing zu krabbeln, bauten wir auch auf dieser Seite das Gitter ein.

Nachdem die Trinkzeiten der Zwillinge zunächst immer länger geworden waren, nahmen sie im Alter von vier bis fünf Monaten wieder ab. Die Kinder wurden kräftiger, saugten entsprechend stärker und waren einfach früher satt. Als Pascal allerdings regelmäßig nach sieben Minuten fertig war, machte ich mir Sorgen, da ich dachte, er bekommt bloß die dünnflüssige Vordermilch ab. Er ließ sich aber einfach nicht wieder anlegen. In diesem Fall rief ich direkt die Stillberaterin aus der Kinderklinik an, die auch gleich am nächsten Tag kam, sich zuerst Pascals ganze Geschichte anhörte und dann beim Stillen dabei war. Sie erklärte mir, dass sich von dem Moment an, wenn man das Prickeln in der Brust spürt und der Milchspendereflex einsetzt, gleich gehaltvollere Hintermilch mit dazu mischt. Dieses Prickeln kam, wenn beide Kinder saugten, schon nach etwa 20 Sekunden und nicht nach fünf Minuten, wie es in den Stillbüchern steht. Damit war ich beruhigt.

Schön war es zu beobachten, wie die Zwillinge allmählich beim Stillen Kontakt zueinander aufnahmen, erst mit den Augen, dann kamen die Arme nach oben und sie versuchten, sich gegenseitig zu erreichen. So etwa mit zehn, elf Monaten konnte ich sie nicht mehr gleichzeitig stillen, da sie einander zu lauter Unfug anstachelten und vor Lachen nicht mehr trinken konnten.

 

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 1)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 2)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 3)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 4)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 5)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 6)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 7)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 8)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 9)

Dieser Beitrag wurde unter Der Alltag mit Zwillingen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.