Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 6)

Wieviel muss die stillende Mama essen und trinken?
„ Das Stillen erhöht den Energiebedarf der Mutter um 500 kcal, das entspricht …“ So las ich es in einem Stillbuch; es folgte eine Aufzählung, wie vielen Scheiben Brot und anderen Nahrungsmitteln das entspräche. Heute kann ich über den oben zitierten Satz nur noch lachen, denn er trifft vielleicht in den ersten zwei Wochen der Stillzeit zu, dann aber sicher nicht mehr.

Eine kleine Rechnung soll das verdeutlichen: Ein Baby trinkt in 24 Stunden ca. ein Sechstel bis ein Fünftel seines Körpergewichts. Ich gehe mal von meinen beiden Söhnen aus, als sie sechsMonate alt waren. Johannes wog zu dem Zeitpunkt etwa 7 kg, Pascal etwa 5 kg, also zusammen 12kg. Ein Sechstel davon sind 2 kg, also tranken sie zusammen mindestens 2 l Milch.

Ein Liter Muttermilch enthält ca. 700 kcal, also verbrauchten sie zusammen 1400 kcal. Ich vermute, dass man zum „Herstellen“ von Milch mit 1400 kcal Energie mindestens 2000 kcal essen muss, denn der Stoffwechsel verbraucht ja auch Energie. Und das natürlich zusätzlich zum normalen Bedarf eines Menschen.

Meine Erfahrung war, dass ich nach einer normalen Portion einfach immer noch hungrig war, und deshalb aß ich weiter, bis ich satt war. Es waren unglaubliche Mengen! Manchmal wurde mir nach dem fünften Frühstücksbrot das Kauen zu mühsam, dann stieg ich auf Kaba oder Joghurt um. Essen war regelrecht Arbeit für mich. Irgendwann kaufte ich mir eine Waage, weil ich Angst hatte, zu viel zuzunehmen. Aber so viel ich auch aß, ich nahm ständig ab.

Ganz wichtig war für mich, dass ich zum Essen Zeit und Ruhe hatte, deshalb habe ich ein Prinzip eingehalten: beim Essen hatte und habe ich nie ein Kind auf dem Schoß. Meine Mutter nahm mir oft das Kochen ab, das war für mich eine große Erleichterung. Sie war glücklich, wenn sie mir Kuchen backen konnte und der nach wenigen Tagen schon aufgegessen war. Oder sie machte einen Braten und einen großen Topf Gemüse, und ich konnte in den darauffolgenden Tagen noch davon essen. Aufpassen muss man, wenn zugefüttert wird und die Kinder deshalb weniger trinken. Die Mama ist dann an Essensmengen gewöhnt, die sie gar nicht mehr braucht. Auch hier tut eine Waage gute Dienste, denn man merkt so sehr schnell, wenn man beginnt zuzunehmen.

Die Meinungen darüber, was eine stillende Mama essen darf, gehen auseinander. Ein Märchen ist in jedem Fall die Behauptung, dass man in den ersten vier Wochen nach der Geburt kein Vitamin C essen dürfe, da die Babies dann wund würden. Richtig ist, dass man keine Zitrusfrüchte essen sollte, wegen der darin enthaltenen ätherischen Öle; alle anderen Früchte sind erlaubt. Mir wurde im Krankenhaus gesagt, dass ich alles essen dürfe. Ich habe trotzdem die Speisen weggelassen, die mich selbst blähen, wie Kohl, Hülsenfrüchte und Zwiebeln.

Das Essen kann zum Problem werden, wenn das Baby Blähungen hat. Man quält sich und grübelt und versucht, die eine oder andere Speise als Auslöser zu identifizieren. Manchmal werden es einfach nur die „DreiMonatsKoliken“ sein, die man nicht verhindern, sondern allenfalls mit Sab simplex etwas abmildern kann. Dieses Wissen hinderte mich trotzdem nicht am Ausprobieren und Suchen. Eine Speise, bei der ich es gar nicht vermutet hätte, löste bei Pascal zweifelsfrei Blähungen aus: Vollkornbrot. Seit ich das und auch Müsli weglasse, haben auch die Blähungen fast ganz aufgehört. Meine Freundin berichtet, dass ihr Sohn es nicht verträgt, wenn sie Milch trinkt, Joghurt und Käse sei jedoch kein Problem.

Zum Thema Trinken ist nicht sehr viel zu sagen. Jeder merkt selbst, wann er durstig ist. Ich trank fast nur Mineralwasser, Leitungswasser und Stilltee, hin und wieder auch Saft. Auf meinen gewohnten schwarzen Tee zum Frühstück konnte ich nicht verzichten, Kaffee habe ich ganz selten getrunken und Alkohol überhaupt nicht. Wissen sollte man vielleicht, dass Pfefferminzund Salbeitee die Milchbildung reduzieren, deshalb sind sie tabu.
Zum Stillen habe ich mir immer ein Glas und eine Flasche Mineralwasser bereitgestellt, denn dabei wird man sehr durstig.

 

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