Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 7)

Einfluss der Verwandten und Freunde auf das Stillen

Den größten Einfluss auf das Stillen hat der Papa. Wenn er nicht dahintersteht, dann kann man das Stillen bleiben lassen! Dabei reicht es nicht, dass er prinzipiell das Stillen gut findet, er muss seine Familie auch tatkräftig unterstützen.
Ich möchte den Zeitaufwand für das Stillen einmal mit einem gewöhnlichen Arbeitstag vergleichen: Wenn die Kinder bereits einen VierStundenRhythmus haben, dann trinken sie sechs Mal in 24 Stunden. In den ersten Wochen oder auch Monaten können das aber auch acht Mahlzeiten am Tag sein. Ich brauchte für Stillen, Bäuerchen und Wickeln immer bis zu eineinhalb Stunden, später weniger. Das heißt, ein MamaArbeitstag dauert locker neun Stunden, meistens aber länger. Er ist nur gleichmäßig auf 24 Stunden verteilt, d.h. die neun Stunden Arbeit finden Großteils nicht zu Bürozeiten statt. Und in dieser Zeit ist noch kein einziger Handstreich im Haushalt eingerechnet, kein Spielen und Schmusen mit den Babies, weder Rückbildung-noch Babymassagekurs, weder Kochen noch Essen. Was erschwerend hinzu kommt, ist die Tatsache, dass die Mama monatelang niemals länger als drei Stunden am Stück schläft.

Es muss einfach selbstverständlich sein, dass der Papa einen großen Teil der Hausarbeit übernimmt. Bei uns waren das: staubsaugen, einkaufen, Frühstück und Abendessen richten, am Wochenende kochen, Spülmaschine ausräumen und Töpfe spülen, Bad und Klo putzen, Kehrwoche und Müll rausbringen! Außerdem natürlich immer wieder wickeln, baden und anfangs den Pascal füttern. In manchen Stillbüchern wird den Papas empfohlen, mal den Staubsauger zu schwingen, wenn die Mama es tagsüber nicht geschafft hat. Falsch! Es muss ganz klar vereinbart werden, wer für welche Hausarbeit zuständig ist, andernfalls hat die Mama ständig ein schlechtes Gewissen, weil sie „ihre“ Arbeit nicht schafft.

Mindestens genauso wichtig ist, dass der Papa Unruhe und Stress von der Familie fernhält. Dazu gehört der Ärger im Büro, aber auch die Scharen von Gratulanten, denen man freundlich aber bestimmt deutlich machen muss, dass sie gern die Zwillinge besichtigen kommen dürfen, aber erst in zwei oder drei Monaten. Die frischgebackenen Eltern müssen sich einig sein, welche Helfer im Haushalt wo anpacken dürfen, und wenn diese sich übereifrig in Dinge stürzen, die man nicht aus der Hand geben will, dann muss vor allem auch der Papa Einhalt gebieten. Mir ging es in der Stillzeit so, dass ich oft nicht in der Lage war, „nein“ zu sagen, wenn Hilfsangebote oder Besuchsankündigungen kamen, die mir nicht recht waren.
Die Großeltern waren und sind unsere Babysitter. Sie haben mir ermöglicht, arbeiten zu gehen (dazu unten mehr), und mir und meinem Mann hin und wieder ein paar freie Stunden zu zweit verschafft. Beides hat sehr zu unserer Zufriedenheit beigetragen und damit sicher auch zum problemlosen Stillen.

Ich fand es sehr wichtig, dass beide Omas sich über das, was man heute über das Stillen weiß, in groben Zügen informiert haben, und dass sie ihre eigenen, eher negativen Stillerfahrungen (70er Jahre!) für sich behalten haben. Omas könnten sehr großen Schaden anrichten, wenn sie sich negativ über das Stillen äußern würden, denn man schreibt ihnen in Bezug aufs Kinder Großziehen automatisch große Kompetenzen zu.
Allen anderen Freunden und Verwandten kommt ebenfalls eine wichtige Aufgabe zu: Für uns waren sie der Garant dafür, dass es auch noch ein Leben außerhalb von Babygeschrei und Windelwechsel gibt. Es tut unglaublich gut, mal ein interessantes Gespräch zu führen, das sich nicht nur um Kinder dreht, oder eine Einladung zu bekommen, bei der man schön „bekocht“ und verwöhnt wird. Dies alles trägt dazu bei, dass die Eltern mit ihrer Situation zufrieden sind, und das ist die Grundvoraussetzung für problemloses Stillen.

Wer in seinem Freundeskreis frischgebackene Zwillingseltern hat, sollte ruhig mal anrufen und sich erkundigen, wie es geht. Man darf bloß nicht sauer sein, wenn man zu einer ungeschickten Zeit angerufen hat und auf ein andermal vertröstet wird. Wer helfen möchte, sollte das ruhig anbieten aber nicht darauf beharren. Zwillingseltern haben ihren Haushalt optimiert und durchorganisiert, da ist es oft besser, alles läuft so wie gewohnt, als dass jemand, der sich im Haushalt nicht auskennt, etwas irgendwie macht.

Es gab auch ein paar Dinge, die wir gerne nicht so erlebt hätten: kleine Kinder, die durch unsere Wohnung toben und an den neugeborenen Babies zerren; Besuchsankündigungen der Form: „also, wir kommen in einer Stunde“ und Funkstille nach einer Absage; Besucher, die es selbstverständlich fanden, dass es Kaffee und Kuchen gab, und sich auch noch bedienen ließen; endlose Erzählungen, wessen Baby noch weniger gewogen hat und noch früher auf die Welt kam. (Letzteres ist ein Grund, warum wir uns von allen Zwillingsclubs fernhalten.) Wer sich bewusst macht, dass Zwillingseltern am Anfang im absoluten Ausnahmezustand leben, wird solche Taktlosigkeiten aber vermeiden können.

Ein Gerät sollte man sich anschaffen, falls man es noch nicht hat: einen Anrufbeantworter. Wozu braucht eine stillende Mama den, sie ist doch fast den ganzen Tag zu Hause?! Sicher, aber beim Stillen, Wickeln, Babies Massieren, Kinder in Schlaf Singen usw. kann sie nicht ans Telefon, und wenn sie es trotzdem tut, entsteht ziemlich viel Unruhe. Wenn die Kinder schlafen, dann holt sie vielleicht gerade selbst den ausgefallenen Nachtschlaf nach oder die Dusche, für die am Morgen keine Zeit war, und kann somit auch nicht ans Telefon. Also verpasst sie 90% aller Anrufe, und dabei ist es doch so wichtig, mal mit erwachsenen Menschen zu reden. Die meisten Leute, mit denen ich gern telefoniere, wussten bald, dass sie mir wenigstens ihren Namen auf den Anrufbeantworter sprechen sollten, denn dann rief ich zurück, sobald ich Zeit hatte.

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 1)

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