Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 9)

Einführung der Beikost
Ich kenne einige Familien, in denen die Kinder weder Gläschen noch Brei bekommen, sondern einfach weiter gestillt werden, bis sie nach und nach das essen, was der Rest der Familie auch isst. Das geht mit Zwillingen nicht! Mit sechs Monaten war eine Grenze erreicht, wo ich einfach nicht noch mehr essen konnte, um genug Milch zu produzieren.

Ich hielt mich bei der Einführung der Beikost ziemlich genau an den Ratgeber „Von Anfang an mit Spaß dabei – Essen und Trinken für kleine Kinder“ vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden Württemberg, den man unter www.ernaehrung.bwl.de kostenlos bestellen kann. Allerdings hielten sich meine Buben nicht daran! Wenn ich eine Stillmahlzeit durch Brei ersetzen wollte, brauchten sie nicht vier Wochen, um die Menge von ein paar Löffeln auf ein Gläschen zu steigern, sondern vier Monate. Johannes signalisierte nach anfänglichem Interesse am Karottenbrei deutlich: „Mama, jetzt will ich nicht mehr mit dem orangenen Zeug spielen, gib mir was Richtiges zu essen!“ Dann stillte ich ihn, bis er satt war. Ich begann trotzdem immer nach vier bis fünf Wochen, eine weitere Mahlzeit zu ersetzen, denn die Milchmengen, die die Kinder tranken, nahmen trotz Beikost anfangs nicht ab.

Pascal bekam von den Karotten fürchterliche Verstopfung, so dass wir den Mittagsbrei zunächst wieder wegließen. Kürbis, Brokkoli oder Spinat empfahl uns der Kinderarzt für Pascal, doch Kürbis mochte er ganz und gar nicht, und Spinat fand ich in Gläschen zunächst nur in Verbindung mit Rahm, doch Kuhmilch wollte ich ihm vor dem ersten Geburtstag nicht geben. Also kochte ich Brokkoli für ihn, was jedoch das Problem auch nicht wirklich löste. Schließlich fand ich im Reformhaus SpinatKartoffelGläschen ohne Rahm, und die vertrug und mochte er.

Den abendlichen Milchbrei bereitete ich mit Säuglingsmilch zu. Auch diesen isst Pascal bis heute maximal zur Hälfte, so dass wir eines Abends herauszufinden versuchten, ob er damit wirklich satt war oder ob er nur aufhörte, weil er den Brei nicht mochte. Tatsächlich verschlang er nach dem halben Brei noch ein Gläschen SpinatKartoffelFleischBrei.

(Die Reformhausgläschen bestehen nur aus Spinat und Kartoffeln, dazu mischte ich immer Fleischzubereitung von Hipp.) Dann bekam er halt jeden Abend einen halben Brei und ein MittagessenGläschen, Milch bekam er ja durch das Stillen genug.
Vielleicht noch ein paar Worte zur „Fütterungstechnik“: Die Kinder konnten ja mit sechs Monaten noch nicht sitzen, also konnte ich sie nicht im Hochstuhl gleichzeitig füttern. Aber eines füttern und das andere warten lassen, war unmöglich. Also schnallte ich sie in ihre Autositze und stellte sie nebeneinander auf einen niedrigen Tisch. Ich setzte mich davor und gab abwechselnd jedem einen Löffel Brei. Wenn wir zu zweit waren, fütterte natürlich jeder ein Kind, aber wir ließen sie dazu trotzdem in ihren Sitzen, denn alle Veränderungen beim Füttern führten zu Verwirrung.

Ich stillte die Kinder bis vor Kurzem immer morgens direkt nach dem Aufwachen und dann abends gegen 23 Uhr nochmal, kurz bevor ich ins Bett ging. Dazu weckte ich sie, denn wenn ich sie da nicht stillte, bekamen sie gegen 3 Uhr morgens Hunger. Mit dem abendlichen Stillen schliefen sie durch bis gegen 8 Uhr. Das abendliche Stillen habe ich erst jetzt, mit 14 Monaten weggelassen, jetzt schlafen sie von 20 Uhr bis 6 Uhr. Viel trinken sie jetzt auch morgens nicht mehr, es ist wohle her ein etwas ausgiebigeres Schmusen.

Die Zwillinge durften in den letzten Monaten immer mehr von unserem Essen probieren: Brot, Reiswaffeln und Zwieback, weiches Obst, weichgekochte Gemüsestückchen, auch Käse (Butterkäse ist der Hit!) und Wurst usw. Jetzt, mit 14 Monaten, kam im Urlaub fast schlagartig die komplette Verweigerung aller Arten von Brei, nun essen sie am Tisch mit. Die Zwillinge sind vierzehn Monate alt

Fazit und Ausblick

Nach nun gut einem Jahr kann ich sagen, dass man auch Zwillinge sehr lange stillen kann, wenn man es nur will. Dazu müssen aber alle Beteiligten – Mama, Papa, Großeltern und alle anderen, die der Familie nahestehen – an einem Strang ziehen. Nur so können anfängliche Schwierigkeiten, mit denen man bei Zwillingen schon rechnen kann, überwunden werden. Man darf sich auch nicht scheuen, sich fachlich kompetente Hilfe zu holen, notfalls entstehen dabei auch Kosten, die die Krankenkasse nicht unbedingt bezahlt. Wenn man dadurch ein Stillproblem lösen kann und die Stillbeziehung rettet, dann ist das Geld gut angelegt!

Sollte jemand an einen Arzt oder eine Hebamme geraten, der/die es von vornherein anzweifelt, dass man Zwillinge stillen kann, dann würde ich mir zumindest eine zweite Meinung einholen, bevor ich mir eine so wertvolle Erfahrung wie das Stillen entgehen lassen würde. Abschließend kann ich sagen, dass es sich gelohnt hat, dass wir uns den Schwierigkeiten, die ich hier beschrieben habe, gestellt und sie gemeinsam überwunden haben. Es hat uns als Familie zusammengeschweißt. In jedem Stillbuch sind die positiven Auswirkungen des Stillens nachzulesen – ich muss sie hier nicht aufzählen und ich kann sie alle bestätigen.

 

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 1)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 2)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 3)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 4)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 5)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 6)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 7)

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 8 )

Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 9)

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4 Kommentare zu Zwillinge stillen – Erfahrungsbericht über das Stillen von frühgeborenen Zwillingen (Teil 9)

  1. Yvonne Prutscher sagt:

    Hallo, ich bin in der 7. Woche mit Zwillingen schwanger und irgendwie steht meine Welt gerade Kopf.
    Wir haben schon 2 Mädchen  (2 und 4) und ich frage mich manchmal, wie wir das alles schaffen sollen.
    Als ich deine Seite gefunden habe, hab ich direkt angefangen zu lesen. Vorallem den langen Stillbericht. Danke dafür!! Du hast mir mit dem Bericht einige Fragen und Gedanken beantwortet und mich in Bezug auf das Stillen etwas beruhigt.
    Ich glaub, wenn man etwas wirklich möchte, dann klappt es auch…
    Danke für deine tollen Erfahrungen und ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute.

  2. Janine sagt:

    Also ich find es sehr beruhigend zu wissen dass man auch frühchen stillen kann bzw an das stillen gewöhnen kann. Aber mein problem ist ich habe schon eine Tochter von fast 16 Monaten und bekomme demnächst noch Zwillinge dazu wenn die Zwillinge alleine schon so “stressig” sind wie soll ich dann noch meine Tochter versorgen? LG

  3. Anna sagt:

    Janine, mach Dir keine Sorgen! Das klappt, du wirst sehen. Unsere Große war gerade zwei als ich die Jungs bekam. Wir haben zum Beispiel die Stillzeiten immer zum vorlesen genutzt. Einer rechts, einer links und Clara daneben auf dem Sofa. Das Buch geschickt auf dem Stillkissen platziert und los ging es. So hat sich sogar Clara immer aufs stillen gefreut und kam schon mit einem Buch angerannt obald ich Richtung Stillkissen gegangen bin.
    Ich drücke Dir und Deiner Fmilie fest die Daumen dass alles gut läuft!

  4. Bettina sagt:

    Vielen Dank für diesen tollen ausgiebigen Bericht! Ich bin grad so erleichtert! Wir erwarten Zwillinge und ich habe mich schon gefragt wie und ob das mit dem Stillen überhaupt geht. Aber ich habe jetzt richtig Hoffnung und wir werden es auf jeden Fall versuchen. Hoffentlich klappt es so gut wie bei Euch. Liebe Grüße!

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