Wie entwickeln sich Zwillinge im Mutterleib?

Zwillinge: Ein doppeltes Familienglück als Geschenk der Natur

Die Wahrscheinlichkeit, eine Zwillingsschwangerschaft zu haben, ist sehr selten. Statistisch ist eine von weit über achtzig Schwangerschaften eine Zwillingsschwangerschaft. Künstliche Befruchtungen und Hormonbehandlungen sollen zu einer Förderung von Mehrlingsschwangerschaften führen. Aber auch erbliche Gesichtspunkte können zu einer Zwillingsschwangerschaft führen.

Zumindest stellen Zwillingsschwangerschaften alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen. Sowohl die ungeborenen Kinder als auch die Frau sind erheblichen Zusatzrisiken im Vergleich zu einer normalen Schwangerschaft ausgesetzt. Und auch die behandelnden Ärzte müssen bis zur vollendeten Geburt gut auf die werdende Mutter mit ihren Kindern aufpassen, damit es zu keinen unerwarteten Komplikationen kommt.

Auf YouTube gibt es eine tolle Doku über Zwillingsschwangerschaften von National Geographic:

 

Eineiige und zweieiige Zwillinge

Bei einer Mehrlingsschwangerschaft entwickeln sich mit einer Schwangerschaft gleich mehrere Kinder parallel im Bauch. Bei der Entbindung kommen die Kinder dann sehr kurz nacheinander auf die Welt. Bei einer Zwillingsschwangerschaft liegt die Wahrscheinlichkeit, eineiige Zwillinge auf die Welt zu bringen, bei ungefähr einem Drittel.

Eineiige Zwillinge haben ein sehr ähnliches Aussehen. Sie besitzen dasselbe Geschlecht und haben dieselbe Blutgruppe. Bei der Zellteilung entstehen die eineiigen Zwillinge nach dem Zufallsprinzip, indem sich eine Eizelle nach der Befruchtung in zwei Zellkerne teilt. Hierbei werden die exakten Erbanlagen geteilt und sind doppelt vorhanden.

Die Keimblasen nisten sich nebeneinander in der Gebärmutterschleimhaut ein und entwickeln sich, wenn die Teilung innerhalb der ersten drei Tage erfolgt. Dabei hat jeder Embryo eine eigene Fruchtblase und ist selbständig mit seiner eigenen Plazenta verbunden. Spätere Teilungen können zu Komplikationen führen, die teilweise behandelbar sind.

Bei zweieiigen Zwillingen kommt ein genetischer Gesichtspunkt zum Tragen. Aus diesem Grund sind die meisten Zwillingsgeburten zweieiige Zwillinge. Bei zweieiigen Zwillingen reifen zur gleichen Zeit zwei Eizellen heran und werden befruchtet. Die Kinder entwickeln sich parallel im Bauch der Mutter und haben komplett eigene Merkmale.

Sie unterscheiden sich letztlich wie alle Geschwister. Auch das Geschlecht kann unterschiedlich sein. Eine künstliche Befruchtung fördert eine Zwillingsschwangerschaft von zweieiigen Zwillingen, weil während der Behandlung mehrere befruchtete Eizellen in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden, die heranreifen können.

 

Der Zeitpunkt, an dem eine Zwillingsschwangerschaft festgestellt werden kann und die Risiken

Bereits ab dem zweiten Schwangerschaftsmonat kann mit einer Ultraschalluntersuchung festgestellt werden, ob eine Zwillingsschwangerschaft vorliegt. Auch die Fruchtblasen sind bereits erkennbar. Eine Zwillingsschwangerschaft ist immer gleichzeitig eine Risikoschwangerschaft. Sowohl für die Embryos als auch für die Frau entstehen durch diese Form von Schwangerschaft Gefahren, weshalb viele Untersuchungen und Kontrollen in kurzen Abständen erforderlich sind. Immerhin muss die Frau zwei Kinder gleichzeitig heranreifen lassen, und somit ist sie schon in der Schwangerschaft einer doppelten Belastung ausgesetzt.

Gleichzeitig erhöht sich statistisch die Wahrscheinlichkeit von Schwangerschaftskomplikationen. Sehr oft kommt es in diesem Zusammenhang zu Frühgeburten, Fehlgeburten, Fehlbildungen und Wachstumsstörungen. Hiermit einher gehen auch stärkere Belastungen bei der Frau, die durch die Mehrlingsschwangerschaft gleichzeitig mit mehr Gewicht konfrontiert wird.

Dieses Mehr an Gewicht schlägt sich auf den gesamten Körperablauf der schwangeren Frau nieder. Es kommt zu einer Überbeanspruchung des gesamen Knochen- und Muskelbaus der Frau, sodass Rückenschmerzen sehr häufig vorkommen.

Bluthochdruck, Verstopfungen, Krampfadern und Atemnot sind ebenfalls häufige Beschwerden bei Zwillingsschwangerschaften. Viel Ruhe und wenig Anstrengung können hierbei nicht immer eine positive Linderung bieten. Allerdings fördern Ruhe und wenig Anstrengung die Symptome nicht.

 

Risikogeburt nach einer Zwillingsschwangerschaft

Oftmals werden Zwillinge vaginal entbunden, wenn der Schwangerschaftsverlauf normal war und es zu keiner Frühgeburt kommt. Hierbei hat das erste Kind zumeist eine Kopflage. Bei Beckenlagen des zweiten Kindes wird zur Schmerzprävention der Frau eine Periduralanästhesie empfohlen. Diese Anästhesieform erleichtert der Frau das Ertragen der Schmerzen. Sollte es erforderlich werden, kann der zweite Zwilling auch mittels eines Kaiserschnitts entbunden werden.

Auch nach der Geburt bestehen noch Risiken für die Frau. Sie kann aufgrund der Überbeanspruchung ihrer Gebärmutter einen sehr hohen Blutverlust erleiden. Immerhin dauert es nach dieser Beanspruchung lange, bis sich die Gebärmutter wieder zurückbildet.

 

Weitere Komplikationen und Risiken bei Zwillingsschwangerschaften

Findet die Eizellenteilung erst nach dem dritten Tag statt, kann es zu anderen Reifungen der Embryos kommen. So bestehen dann vielleicht zwei Fruchtblasen, allerdings bedienen sich beide Kinder über eine Plazenta der Mutter. Dasselbe kann auch passieren, wenn sich beide Kinder in einer Fruchtblase befinden.

Die Versorgung beider Kinder über eine Plazenta bietet einen sehr hohen Risikograd. Es besteht immer die Gefahr, dass nur ein Kind ausreichend über die Plazenta versorgt wird, und das andere Kind in allen Entwicklungen zurückbleibt. Hier können besondere Behandlungsmethoden Abhilfe bringen.

Aber auch diese Methoden sind mit erheblichen Risiken für alle verbunden. Letztlich kann dies zur Gefährdung für beide Kinder und auch die werdende Mutter führen. Zellteilungen nach dem 12. Tag führen zumeist zu einem Zusammenwachsen der Föten und damit zu siamesischen Zwillingen, eine seltene Fehlentwicklung.

Um eine generelle Unterversorgung und eine Frühgeburt zu verhindern, werden heute alle medizinischen Möglichkeiten ergriffen, um die Kinder so lange wie möglich im Mutterleib zu belassen. Treten die Wehen allerdings vorzeitig ein, dann ist ein Verbleiben im Zustand nicht möglich. Auch wird eine Geburt eingeleitet, wenn abzusehen ist, dass sich ein Kind nicht ordnungsgemäß entwickeln kann und eine andere Behandlungsmethode nicht möglich ist.

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