Zwillingsschwangerschaft = Frühgeburt?

Heutzutage ist es immer noch eine weitverbreitete Annahme, dass eine Schwangerschaft mit Zwillingen zwangsläufig zu einer Frühgeburt führt. Was also ist eine Frühgeburt? Laut Wikipedia handelt es sich bei frühgeborenen Säuglingen um Kinder, die vor der Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. Geht man also von den üblichen 280 Tagen (40 Wochen) nach der letzten Regelblutung einer Schwangerschaft aus, so kommen Frühchen nach weniger als 260 Schwangerschaftstagen zur Welt. In der Regel sind sie sehr klein und wiegen weniger als 2500 g.

Das kleinste überlebende Frühgeborene kam mit 284 g in der 22. Schwangerschaftswoche zur Welt und war nur 24,1 Zentimeter groß (www.welt.de). Spätfolgen sind grundsätzlich nicht abzuschätzen, dennoch ist die Neugeborenenintensivpflege mittlerweile so weit fortgeschritten, dass viele Frühchen später keine schwerwiegenden Probleme haben. Es ist jedoch unbestritten, dass der beste Ort für die Kinder der Mutterleib ist und deswegen wird mit allen Mittel versucht die Schwangerschaft auf ein Maximum zu verlängern. „Jeder Tag zählt“,  war ein Ausspruch den wir von den Ärzten öfter hörten. Unsere Mädchen kamen in der 33.Woche zur Welt.

Die zu nennenden Komplikationen nach der zu frühen Geburt sind vielfältig und komplex, deswegen sind hier nur ein paar Beispiele genannt:

  • Anpassungsstörungen auf Grund der Unreife von Organen (Atmungsorgane, Verdauungstrakt,…)
  • Schädigungen der Netzhäute des Auges (besonders bei Kindern die beatmet werden mussten)
  • Hirnblutungen
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Herzfehler

Falls ihr betroffen seid, könnt ihr euch unter www.fruehgeborene.de umfangreich informieren. Es gibt auch zahlreiche Selbsthilfegruppen zum Thema.

In Deutschland kommen ca. 20 Prozent der Kinder zu früh auf die Welt. Vor 30 Jahren etwa, lag die Frühgeburtenrate noch bei über 60 Prozent. Bei Zwillingsschwangerschaften ist das Verhältnis  ein bisschen anders. Ungefähr die Hälfte aller Zwillinge werden vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren. Hauptsächliche Ursache für diesen doch recht hohen Wert, ist das vorzeitige Einsetzen der Wehen. Gründe hierfür sind die größere Dehnung der Gebärmutter und der durch das Kindergewicht erhöhte Druck auf den Muttermund. Eine auftretende Verschlussschwäche (Zervixinsuffizienz) des Muttermundes ist auch nicht ungewöhnlich. Ebenso sei zu erwähnen, dass psychischer Druck und Stress Wehen auslösen kann!  Als Besonderheit möchte ich an dieser Stelle noch das Fetofetale Transfusionssyndrom (FFTS) nennen, welches häufig mit einer frühzeitigen Geburt endet. Das bei Schwangerschaften mit eineiigen Zwillingen auftretende Syndrom ist eher selten und gekennzeichnet durch eine Durchblutungs- und Ernährungsstörung der Säuglinge.

Konsequentes Einhalten der Vorsorgetermine ist sicherlich die beste Möglichkeit, um oben genanntes zu verhindern oder eben schnell zu erkennen. Es können somit schnellstmöglich die richtigen Maßnahmen ergriffen werden wie zum Beispiel striktes Liegen um den Druck auf den Muttermund zu nehmen (nicht immer zwangsläufig mit einem Klinikaufenthalt verbunden), legen einer Cerclage, die den Gebärmutterhals mittels eines Bändchens schließt sowie Schonung, um die Wehentätigkeit zu reduzieren. Falls die Wehen schon deutlich im CTG messbar sein sollten, wird sicherlich die Gabe von Wehenhemmern nötig sein. Meistens bekommt die Mutter zusätzlich Spritzen, die die Lungenreife der Kinder fördert, damit sie im Falle einer doch bevorstehenden Geburt weniger Komplikationen mit der Atmung haben.

Bei einer Zwillingsschwangerschaft besteht also eine ca. 50 Prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder früher zur Welt kommen. Sicherlich steht man den Launen der Natur oft machtlos gegenüber aber gerade wegen des doch relativ hohen Frühgeburtenrisikos steht ihr in der Verantwortung, euch entsprechend zu verhalten und somit die Chancen zu erhöhen, eure Kinder über die 37 Wochen hinaus in euch zu behalten.

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