Beschäftigungsverbot in der Zwillingsschwangerschaft

Jede werdende Mutter sollte sich im Laufe der Schwangerschaft (am besten am Anfang) einmal mit dem Mutterschutzgesetz (MuSchG) vertraut machen. Das Mutterschutzgesetz hat für alle werdenden Mütter, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, egal ob in Heimarbeit als Hausangestellte, geringfügig oder Vollzeit beschäftigt, Gültigkeit. Die Aufgabe des Mutterschutzgesetzes ist es, alle werdenden Mütter, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen vor Überforderung und Gesundheitsschädigung am oder durch den Arbeitsplatz oder gar vor Verlust des selbigen zu schützen. So dürfen werdende Mütter nach § 3 Abs. 2 des Mutterschutzgesetzes die letzten 6 Wochen vor dem errechneten
Geburtstermin und 8 Wochen nach der Entbindung (bei einer Frühgeburt oder Zwillingsgeburt sogar 12 Wochen) nicht beschäftigt werden, es sei denn, dass sie sich zur Arbeitsleistung ausdrücklich bereit erklären. Die Mutterschutzfrist verlängert sich bei allen vorzeitigen Entbindungen um die Anzahl der Tage, die vor der Geburt nicht in Anspruch genommen werden konnte. Jedoch gibt es gerade für Frauen mit einer Zwillingsschwangerschaft eine Möglichkeit den Mutterschutz früher in Anspruch zu nehmen.

Vielen Müttern ist das außerhalb der allgemeinen Schutzfrist liegende individuelle Beschäftigungsverbot, das zu jeder Zeit der Schwangerschaft vom Arzt erteilt werden kann, nicht bekannt. Nach § 3 Abs. 1 des Mutterschutzgesetztes heißt es demnach: Werdende Mütter dürfen nicht beschäftigt werden, soweit nach ärztlichem Zeugnis Leben oder Gesundheit von Mutter oder Kind bei Fortdauer der Beschäftigung gefährdet ist.“ Da eine Zwillingsschwangerschaft in Deutschland bekanntlich als Risikoschwangerschaft eingestuft wird, die Frühgeburtenrate also höher als bei Einlingsschwangerschaften ist, sind Frauenärzte sehr schnell dazu geneigt ein individuelles Beschäftigungsverbot vor der eigentlichen Mutterschutzfrist auszusprechen. Da meine Frau in den ersten Monaten sehr stark mit den üblichen Schwangerschaftsproblemen, wie Übelkeit und Erbrechen, zu kämpfen hatte, wurde ihr das Beschäftigungsverbot schon ziemlich früh erteilt. Falls ihr also Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Rückenschmerzen und Müdigkeit einzeln oder in Kombination habt, dann teilt es eurem Frauenarzt mit und bittet ihn (falls er nicht darauf einsteigt) euch ein Beschäftigungsverbot zu erteilen. Gerade weil bei Frauen mit einer Zwillingsschwangerschaft die Erholung und Schonung ein oberstes Gebot ist, um zum Beispiel die Gefahr einer zu frühen Entbindung zu minimieren, sollten gute Frauenärzte in der Regel überhaupt kein Problem mit der Erteilung eines solchen individuellen Beschäftigungsverbots haben. Falls ein Arzt sich doch einmal quer stellt, dann empfehlen wir den Frauenarzt zu wechseln oder zumindest sich eine andere Meinung einzuholen. Auch hier kann es ratsam sein, eure Hebamme zu kontaktieren sofern ihr schon eine habt.

Viele werdende Mütter haben Angst, dass das frühzeitige Ausscheiden aus dem Beruf einen finanziellen Nachteil mit sich bringt. Damit dies nicht geschieht, hat der Gesetzgeber im Rahmen des Mutterschutzgesetztes hierfür eine Regelung getroffen. Der sogenannte Mutterschutzlohn verhindert, dass die Frau im Falle eines vorzeitigen Beschäftigungsverbotes finanzielle Einbußen hinnehmen muss. Danach ist der Arbeitgeber verpflichtet, der Mutter mindestens den Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen oder bei monatlicher Entlohnung, der letzten 3 Monate zu gewähren.

Ein frühzeitiges Beschäftigungsverbot ist vor dem Hintergrund der erhöhten Risiken einer Schwangerschaft mit Zwillingen in unseren Augen sehr sinnvoll und sollte ohne Scheu beim Arzt erfragt und im Bedarfsfall auch ohne schlechtes Gewissen in Anspruch genommen werden. Nur so ist ein adäquate Schonung  und Erholung der zwillingsschwangeren Frau gewährleistet.

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