Erziehung von Zwillingen – Was ist anders?

Die Erziehung ihres Kindes ist für viele Mamas und Papas heute ein zentrales Thema und stellt im Allgemeinen eine große Herausforderung dar. Dass die Mutter hauptsächlich für die Erziehung verantwortlich ist und der Vater für die finanzielle Absicherung der Familie sorgt bestimmt zwar auch heute noch weitgehend die Rollenverteilung  in einer Familie, doch ist diese im Zuge der fortschreitenden Gleichstellung von Mann und Frau mittlerweile erheblich gelockert. Nicht selten sind Väter bereit, sofern es die Zeit und der Beruf erlaubt, häusliche Aufgaben sowie Verantwortung in der Kindererziehung zu übernehmen und die Frau im Alltag zu entlasten. Gerade bei der Erziehung von Zwillingen sind beide Elternteile im höchsten Grade auf die gegenseitige Unterstützung und Entlastung angewiesen. Doch wie gestaltet sich nun die Erziehung von Zwillingen? Gibt es Besonderheiten, die zu beachten sind oder ist sie vergleichbar mit der Erziehung eines Kindes? Im Folgenden möchten wir euch nun ein paar Gedanken zu auftretenden Problemen und unserer Auffassung der Zwillingserziehung schildern.

Normalerweise erziehen Eltern ihr Kind unbewusst „richtig“, d. h. sie handeln intuitiv nach einer ihrer eigenen Vorstellung entsprechender Richtlinie. Das ist gut so und unserer Meinung nach bei Zwillingen auch nicht anders. Wir verfahren genauso und versuchen dabei nicht starr unsere Ansichten durchzuboxen sondern passen unser Handeln an die „Tagesform“ unserer Kinder an. Wir haben gelernt, dass sich das unbedingte Durchsetzten von Regeln nicht immer realisieren lässt und in vielen Situationen absolut kontraproduktiv ist. So kann das Einlenken bei einem plötzlich auftretenden Trotzanfall wahre Wunder bewirken und vor allen Dingen nervenschonend sein ;-). Immer wieder kristallisiert sich im Alltag mit unseren Kindern eine Schwierigkeit heraus – Die Gefahr beide Kinder als Zwillinge zu sehen und in Erziehungsfragen in einen Topf zu werfen – In ihren ersten anderthalb bis zwei Lebensjahren war das eigentlich sehr unproblematisch, da es zu dieser Zeit hauptsächlich um die Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen, Zuneigung und Liebe sowie Körperpflege ging, die Beide weitgehend in gleichem Maße beanspruchten.  Doch mit der zunehmenden persönlichen Entwicklung unserer Zwillingstöchter kamen auch die wesentlichen charakterlichen Unterschiede der Beiden zum Vorschein.

Daher sind wir stets bestrebt, ihren individuellen Wünschen und Bedürfnissen zu entsprechen. Wir bemühen uns so zum Beispiel wann immer es die Situation zulässt, einzeln mit ihnen zu spielen oder zu kuscheln. Uns ist bewusst, dass das Zurechtweisen von Zwillingen schwieriger sein kann als bei Einzelkindern. Auch beim Schlichten von Streit versuchen wir jedes unserer Töchter einzeln anzusprechen. Aussagen wie zum Beispiel „…hört auf ihr Beiden…“ sind sehr schnell daher gesagt und haben auch nicht unbedingt die gewollte Wirkung. Oft kommt es uns so vor, dass sie sich nicht wirklich persönlich angesprochen fühlen, wenn wir mit beiden schimpfen. Irgendwie haben wir das Gefühl, dass unsere Kleinen auch manchmal unbekümmerter mit unseren kleinen „Strafen“ umgehen, da sie ja einander haben. Somit hat für sie also der zeitweise „Liebesentzug“ gar keine so große Gewichtung.
In unserem Alltag ist es wie bei anderen Familien mit unterschiedlich alten Kindern, d.h. es gibt Streit, Eifersucht und Neid. Die Annahme, dass Zwillinge, egal ob eineiig oder zweieiig, immer eine unzertrennliche und einstimmige Einheit bilden, können wir nicht bestätigen. Wir haben sogar das Gefühl, dass es bei uns öfter zu Auseinandersetzungen kommt als bei anderen Familien. Demzufolge ist ein gewisses Maß an Disziplin für uns unabdingbar.

Wir legen auch jetzt schon Wert auf respektvollen Umgang miteinander, auch wenn die Beiden zum Beispiel die Bedeutung des Wortes „Entschuldigung“ sicher noch nicht verstehen. Wir glauben aber, damit den Grundstein für ein späteres harmonisches Miteinander zu legen.

Dadurch, dass Zwillinge sehr viel Zeit miteinander verbringen (im Verhältnis gesehen sogar mehr als mit ihrer eigenen Mutter), kann sich eine unheimlich enge Bindung und starke Abhängigkeit zwischen Ihnen entwickeln. Dabei dominiert in den meisten Fällen immer ein Kind. In unserem Fall war Lieselotte Anfangs die Dominantere (sie hat Florentine immer alles weg genommen), was sich aber mit der Zeit etwas angeglichen hat. Mittlerweile ist Florentine zumindest die Mutigere von beiden und zeigt ihrer Schwester schon mal die Grenzen auf. Wir versuchen immer, unsere Kinder bei ihren vermeintlichen Schwächen zu unterstützen und sie entsprechend zu ermutigen und zu bestärken.

Nach unserer Auffassung ist es wichtig, schon frühzeitig auf Zwillinge einzugehen und ihnen beim Umgang miteinander zu helfen. Gerade in der Phase, in der sich Kinder als eigenständiges Individuum entdecken, möchten sie sich auch abgrenzen. Zwilling zu sein, heißt nicht zwangsläufig alles teilen zu müssen. Das frühe Heranführen an die Möglichkeiten der Bewältigung von Konfliktsituationen, kann unserer Meinung nach spätere persönliche Freiräume schaffen und verhindern, dass aus Geschwistern erbitterte Rivalen werden. Doch wir werden sehen, wo uns dieser Weg hinführt ;-)….

Dieser Beitrag wurde unter Erziehung von Zwillingen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.