Was guckst du so? …oder das Leid der Zwillingseltern.

Es ist Sonntag und wir entschließen uns zu einem Nachmittagspaziergang. Die Kinder sind gefüttert und zufrieden und bereit für Ihren Mittagsschlaf, den sie nur zu gern nebeneinander im ihrem Zwillingskinderwagen abhalten. Als Ausflugsziel wählen wir Binz, einen raus geputzten Badeort. Hier gibt es eine wunderschöne Promenade, die zum Flanieren einlädt. Wir haben Mühe, unsere Zwillinge die kurze Strecke im Auto wach zu halten, schaffen es aber mit einer Endlosschleife des Kinderliedes „Tip Tap“. Sie sind ganz angenehm und es gibt auch kein gequengel, so dass das „Verladen“ in den Kinderwagen ohne Nennenswerte Zwischenfälle von statten geht.

Um unser Auto abstellen zu können, mussten wir ein bisschen abseits parken. Das Wetter ist schön, so dass viele andere Menschen an diesem Tag den gleichen Gedanken hatten wie wir. Sie bilden auf der Promenade eine sich zu beiden Seiten langsam vorwärts schiebende organische Wurst. Irgendwie fühle ich mich unwohl. Ich kann nicht beschreiben woran es liegt aber ich fühle mich beobachtet. Ich blicke zu meiner Frau und finde, dass auch sie sich unbehaglich fühlt. Irgendwie hat sie eine Art Verteidigungshaltung eingenommen, bereit ihre Babys vor allen weltlichen Gefahren zu verteidigen. Die erste Bedrohung manifestiert sich auch gleich in einem älteren Pärchen. Während das Silberlockenmännchen weiter seines Weges zieht, erstarrt das Silberlockenweibchen einige Meter vor uns und beginnt die Mundwickel zu einem grinsen zu verziehen. Aus ihrem Mund kommen Kicher – und Quietschlaute. Sie beugt sich nach vorne als wenn Sie zum Sprung ansetzten möchte und versucht einen Blick auf unsere Zwillingsmädels zu erhaschen. Meine Frau verfinstert ihre Miene und spannt all ihre Muskeln an. Als wir auf etwa gleicher Höhe mit dem Silberlockenweibchen sind, hören wir in einem schrill unangenehmen Ton: „Sind das Zwillinge?“. Gleichzeitig fährt sie Ihre Greifer aus und versucht sich ungeniert Zugang zum Kinderwagen zu verschaffen. Meine Frau bringt sich mit einem gewaltigen Satz zwischen das Silberlockenweibchen und unserem Zwillingskinderwagen. Ich bin erstaunt und überrascht über Trienchens entschlossene Agilität. Das Silberlockenweibchen weicht zurück und äußert sich empört, dass sie doch nur mal gucken wolle. Da meine Frau ihre Position mit festem Blick standfest zu behaupten weiß, zieht das Silberlockenweibchen verdrossen auf der Suche nach neuen Opfern weiter.

Diese Geschichte haben wir mehrmals so oder so ähnlich erlebt. Wir selber wissen auch nicht so recht, wie wir mit solchen Situationen umgehen sollen. Zum einen sind wir stolz, zwei so süße Kinder zu haben und möchten sie natürlich der Welt auch zeigen. Zum anderen sind wir bestrebt sie vor allen Gefahren zu schützen, so eben auch vor tatschenden Passanten. Wie dreist muss man sein, in einen fremden Kinderwagen zu greifen und die Kleinen im Schlaf ungefragt befummeln zu wollen. Nicht das wir uns nicht freuen würden, wenn sich Jemand für unseren Zwillinge interessiert und seiner Begeisterung durch ein paar liebe Worte Ausdruck verleihen möchte. Aber dann spricht man die Eltern doch an und erfragt höflich, ob man einen Blick riskieren darf oder nicht?

Leider ist es so, dass sich ein Großteil der Menschen uns Zwillingseltern sehr unhöflich entgegentritt, sei es durch ungefragtes begrabschen oder durch unpassende Bemerkungen. So hören wir öfter, im Vorbeigehen Sachen wie: „Oh Gott Zwillinge, na herzlichen Glückwunsch!“ oder „Zwillinge, oh die Arme!“ oder schlimmer noch „Zwillinge? Na ich würd mich erschießen!“ Das kann nerven und das eine oder andere Mal auch eine unpflegliche Bemerkung unsererseits verursachen. Woher nimmt sich Jemand das Recht über das Leben und den Alltag mit Zwillingen urteilen, wenn er selbst nie in ähnlicher Situation war.
Wir haben schon viele andere Zwillingseltern beobachten können, die genau den gleichen „grimmigen“ Blick haben wie wir, wenn sie ihren Zwillingskinderwagen durch die Stadt schieben. Es kann durchaus an der Anstrengung des Alltages liegen aber in einigen Fällen heißt der Gesichtsausdruck nichts anderes als “Hey Silberlockenweibchen, wag es ja nicht meine Kinder zu begrabschen sonst spring ich dich an!“ 😉

Dieser Beitrag wurde unter Der Alltag mit Zwillingen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.