Interview mit Familie Hansen

Ein Ziel dieses Blog soll es sein, werdenden oder aktuellen Zwillingseltern eine Fülle von Informationen über die Schwangerschaft und den Alltag mit Zwillingen zu geben. Doch wer kann am besten über diese Themen berichten? Na Zwillingseltern natürlich! Um die Objektivität zu wahren, ist es uns ein Anliegen, auch andere Eltern von Zwillingen über Ihre Erfahrungen berichten zu lassen. Sehr zu unserer Freude konnten wir in diesem Zusammenhang die Familie Hansen aus Würzburg für ein Interview gewinnen. Viele Spaß beim lesen!

1. Stell euch doch bitte einmal kurz vor!

Wir, Dennis und Nicole, sind beide 33 Jahre alt, wohnen im wunderschönen Frankenland, Bayern, mittlerweile seit dreieinhalb Jahren verheiratet und unser Glück wurde am 13.07.2010 perfekt. Die Geburt unseres Zwillingspärchen Eliah und Emily. Außerdem gehört zur Familie noch eine Jack-Russell-Hündin.

2. Wie habt ihr euch gefühlt nach der “Diagnose” Zwillingsschwangerschaft?

Tja, wie fühlt man sich bei der Diagnose: Keinesfalls geschockt! Eher unbeschreiblich aufgewühlt, fasziniert und einfach nur glücklich. Ebenso gewinnt die Angst aber ziemlich schnell Oberhand, weil eine Zwillingsschwangerschaft auch eine Risikoschwangerschaft bedeutet. Und die Schwangerschaft war für uns ein hartes Brot.

3. Wie waren für euch die ersten Tage nach der Geburt allein Zuhause mit euren Zwillingen?

Spannend, unreal und alles andere als das, was wir uns vorgestellt haben. Überhaupt nicht turbulent, eher viel zu ruhig. Sie schliefen!!!! Wir hatten mit allem gerechnet, mit Geschrei, Gebrüll, Hektik, Panik… aber Sie schliefen fast 20 Stunden am Tag. Die restlichen 4 Stunden waren Sie mit Nahrungsaufnahme beschäftigt… aber das sollte sich schnell ändern, *lach*!!!

4. Wie habt ihr euch den Alltag mit euren Zwillingen vorher vorgestellt und was ist jetzt anders?

Tja, wie stellt man ihn sich vor; vor der Geburt bekommt man Schauermärchen erzählt, es wäre die Hölle mit 2 Babys, es wäre nur Geschrei und viel, viel Arbeit. Man käme wochenlang zu nix mehr, man hätte keine Zeit zum durchschnaufen etc. eben alles was gerade die ältere Generation gerne zum Besten gibt. Wir haben jedes Horrorszenario geglaubt!

Tja und Zuhause angekommen, kam alles anders. Zumindest die ersten Tage und Wochen. Die Babys schliefen eben sehr, sehr viel, weinten recht selten und wenn dann nur, weil Sie Hunger hatten und Mama beim Flasche machen zu langsam war. *schmunzel* Ansonsten waren Sie recht ruhig. Anders war am Anfang definitiv die Umstellung im Bezug auf Schlaf: Davon bekommen wir nämlich mittlerweile echt zu wenig. Denn die meisten Zwillinge schlafen tagsüber natürlich nicht parallel, sondern zeitversetzt. Was wiederum das Füttern sehr erleichtert. Aber sich wie eine Einlingsmami mittags mit dem Baby hinlegen konnten wir nie. Eines war ja  immer wach bei uns.

Heute sieht unser Alltag sehr streng koordiniert aus, natürlich funktioniert das nicht jeden Tag, denn Babys haben auch ihren eigenen Willen und schmeißen einem die Planung über den Haufen. Aber Struktur muss drin sein, sonst wird das nichts. Sind die Babys ruhig, nutze ich die Zeit für Haushalt, Körperpflege etc. Ich verschiebe nichts mehr auf später, denn es kommt immer anders. Ich sehe vieles gelassener, trotz strenger Koordination entspannter. Wenn es nicht gemacht, ist es eben nicht gemacht, dennoch ist mein Haushalt jeden Tag sauber und erledigt, aber eben zeitplanmäßig anders, als zu der Zeit wo wir keine Kinder hatten.

5. Was bereitet euch die größte Schwierigkeit im Leben/Alltag mit euren Zwillingen?

Die größte Schwierigkeit für uns ist die Flexibilität. Wir können nicht mal eben schnell irgendwohin. Alles muss sorgfältig geplant sein, man muss viel auf die Uhr schauen, Essenszeiten einhalten, Bettgehzeiten einhalten, man geht aus dem Haus, bepackt wie ein Esel, völlig durchgeschwitzt, zwei Kinder wollen angezogen werden, 2 Kinder wollen die Treppe runtergetragen werden, in den Wagen oder ins Auto gesetzt werden, gerade wenn man ohne den Ehepartner mal eben wo hin muss. Alles gestaltet sich etwas schwieriger. Vor der Geburt waren wir echte Weltenbummler, lebten 5 Jahre in der Schweiz und waren sowas von flexibel. Mal eben schnell für ein Wochenende nach Italien, mal nach Frankreich…..und nun, sieht die Welt anders aus, komplett anders aber eben sehr schön. Weiterhin ist es schwierig unter einen Hut zu bringen auch wieder Ehepaar und nicht nur Eltern zu sein. Die Babys fordern mittlerweile unsere ganze Aufmerksamkeit, Energie und Kraft. Alles unter einen Hut zu bringen und nicht abends erschöpft beim ersten Setzen einzunicken gestaltete sich für uns sehr schwierig. Gerade wenn einer berufstätig ist und Mama zuhause ja aber auch einen Vollzeitjob hat.

6. Welches Produkt, das euch den Alltag mit euren Zwillingen erleichtert (hat), könnt ihr besonders empfehlen?

Das Babyfon mit integrierter Kamera! Somit mussten wir nicht jedes Mal ins Zimmer poltern, wenn ein Baby geweint hat. Wir haben zum Beispiel über die Kamera beobachtet, das unsere Tochter Emily oft aus Langeweile geknöttert hat, kam dann keiner (weil wir sie ja über Kamera beobachtet haben) hat Sie selbst im Alter von 3 Monaten ihren Bruder gekniffen oder gehauen, damit der anfängt zu weinen, in der Hoffnung Mama kommt dann. Ebenso konnten wir damit kontrollieren ob beide noch nebeneinander und nicht übereinander lagen, das war gerade ab einem Alter von ca. 6 Monaten sehr wichtig, da wurden sie nämlich nachts mobil und kullerten durchs Zwillingsbett. Und immer noch im Einsatz: Die Musikschaukeln von Bruin.  Man kann keine 2 Babys gleichzeitig schunkeln und auf dem Arm halten. Die Schaukeln waren für uns der Glückskauf schlechthin, wir haben Sie schon vielen anderen Zwillings-und auch Einlingseltern empfohlen, und keiner möchte Sie mehr missen. Und Top-Produkt Nummer 3: Eine handelsübliche Pumpthermoskanne: Hier haben wir immer Tee (Fenchel) oder nur heißes Wasser eingefüllt, daneben einen Krug mit kaltem Tee oder kaltem Wasser und somit ging das Flaschenmachen ganz schnell. Ein wenig rumprobiert, wie viel heiß und kalt in ml im Verhältnis, somit war die perfekte Milchflaschentemperatur von ca. 37 Grad innerhalb von Sekunden erreicht, Milchpulver einrühren und fertig. Somit brauchten wir zum Flasche machen nicht mal 30 Sekunden. Schneller geht’s nicht.

7. Habt ihr zum Abschluss vielleicht noch einen Rat/Tipp für werdende oder aktuelle Zwillingseltern?

Eben die Sache mit der Thermoskanne, den Musikschaukeln wie unter Punkt 6 geschrieben und… nicht auf das hören, was andere Euch erzählen wollen! Ihr werdet euren eigenen Rhythmus finden, vielleicht dauert es ein paar Wochen, aber ihr werdet euren Weg finden. Jedes Baby, jedes Zwillingspärchen etc. ist anders, es gibt keinen Masterplan. Es gibt nur den Rhythmus, den ihr selber findet. Lasst Euch Zeit um ihn zu finden, wenn ihr Hilfe angeboten bekommt und ihr Sie wollt, nehmt sie an. Wir hatten z.B. keine Hilfe, weil alle sehr weit weg wohnen und wir haben es auch geschafft. In der Ruhe liegt die Kraft.

Die Wahl des Kinderarztes war uns noch wichtig, dass dieser nämlich seine Praxis so hat, dass man diese mit einem Zwillingswagen gut erreichen kann. Wenn ihr alleine, ohne Partner geht, könnt ihr die Babys nicht erst Treppen hochschleppen, sie sollte ebenerdig oder via Fahrstuhl zu erreichen sein.

Danke Dennis, Nicky, Eliah und  Emily das Ihr euch Zeit für unsere Fragen genommen habt! Wir wünschen euch weiterhin eine gute Zeit und vieeeeel Kraft und Ausdauer für alles Kommende!!

Dieser Beitrag wurde unter Interviews abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.